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BADEN/ Stadttheater: FRAU LUNA von Paul Lincke. Premiere

14.03.2026 | Operette/Musical/Show

BADEN/STADTTHEATER: FRAU LUNA von Paul Lincke am 13.3.2026 (Premiere)

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Es beginnt bei einer Currywurstbude. Foto: Christian Husar

 Paul Linckes Frau Luna gilt als Inbegriff der „Berliner Operette“ und ist in Deutschland bis zum heutigen Tag noch immer sehr populär. Bei uns naturgemäß weniger. In letzter Zeit gab es in Österreich nur drei Produktionen: in Bad Ischl (2022), Blindenmarkt (2017) und an der Wiener Volksoper (2013). Aber jetzt hat Neo-Intendant Andreas Gergen das rare Werk auf den Spielplan des Stadttheater Baden gesetzt. Und die Premiere war, um es gleich vorwegzunehmen, ein überwältigender, triumphaler Erfolg.

Eine der Grundlagen dafür war die neue Textfassung von Christian Struppeck. Nun hat man ja mit zwangsweise umgeschriebenen Libretti – gerade in Baden unter der vorangegangen Intendanz – bisher nur die allerschlechtesten Erfahrungen gemacht.

Aber Struppecks Buch ist witzig, geistreich und voller Tempo und funktioniert wirklich.

Die zweite Grundlage ist die von Dirigent Victor Petrov aus den vielen verschiedenen Fassungen der Operette (1899-1922) zusammengestellte Badener Fassung der Musik.

Das fetzt, swingt und groovt, dass es nur so eine Freude ist und dass man sich keine Sekunde lang langweilt.

Auf dieser Basis baut das Wunderteam Simon Eichenberger (Regie) und Charles Quiginn (Ausstattung) ihre Inszenierung auf, die nicht anders als sensationell zu nennen ist. Wahrscheinlich die beste Inszenierung von Frau Luna seit ihrer Uraufführung.

Liebevollste Details von der ersten bis zur letzten Minute – wie z.B. die aufblasbare Currywurst, mit deren Hilfe die Würstchenbude zum Mond fliegt, die Lampenschirme als Kopfbedeckung, die Lusthöhle der Mondfrau und viele viele andere mehr – , eine sehr genaue Personenregie, ein aufmerksames Licht etc.: man kommt aus dem Schauen, man kommt aus dem Staunen nicht heraus.

Getragen wird das alles von einem ganz wunderbaren, bis in die kleinsten Rolle perfekt besetzten, keine einzige Schwachstelle aufweisenden Ensemble. Und die spielen, singen, tanzen und stepptanzen (beste Operettenchoreographie seit Menschengedenken !) alle völlig entfesselt, was das Zeug hält. Ein Wirbelsturm !

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Prinz Sternschnuppe, sein Spaceshuttle und die Mondgirls. Foto: Christian Husar

Dennis Hupka (Steppke) ist ein cooler Mond-Abenteurer, Sigrid Hauser (Frau Pusebach) berlinert, als ob sie dort geboren worden wäre, der (weil whitegefacete) kaum wiederzuerkennende Ramesh Nair brilliert als selbstironischer mondischer Haushofmeister, Ensemblestütze Anna Rosa Döller ist die von ihm begehrte, wunderschöne Stella, Maximilian Mayer ein hinreißend eitler, aber einschmeichelnder Prinz Sternschnuppe, Julia Koci (Frau Luna) gibt eine eiskalte, furchterregende lunare Turandot und Neuzugang Mariella Hofbauer ihre warmherzige irdische Gegenspielerin Marie – einfach zum Verlieben.

Besonders hervorzuheben auch noch Maria Gschwandtner als (geniale Idee des Regieteams!) der die unwahrscheinlichsten Verrenkungen aufführende Roboter Mondgroom. Man kann kaum hinschauen, ohne gedanklich multiple Knochenbrüche zu erleiden.Diese Frau muss Glieder aus Gummi haben …

Was soll man sagen ? Man hat schon ewig nach einer Premiere nicht mehr in so glückliche Gesichter geblickt, soviele euphorische Menschen getroffen, die nahezu wortgleich den Abend in den höchsten Tönen lobten.

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Überraschenderweise endet die Reise zum Mond dann nicht in Berlin…sondern in Wien. Foto: Christian Husar

Nach all dem, was man den letzten Jahren an Operettenschändung (Genderisierungswahn, Vergschnasifizierung, Überfrachtung, woke-faschistischer „Überschreibung“ etc.) über sich ergehen lassen musste und noch ergehen lassen muss, ist diese Vorstellung (ebenso wie Der Schokoladensoldat in Blindenmarkt).dazu angetan, einem den Glauben an die Kunstform Operette wiederzuschenken – vor allem, weil Eichenberger/Quillin und alle ihre Mitstreiter selbst an die Operette und auch an ihre eigene Kunst, ihr eigenes Handwerk glauben, um dieser mit Kreativität und nicht mit Ideologie liebevoll zu dienen.

Eine erhebende,beglückende Erfahrung, Eine Stern – bzw. Mondstunde der Operette.

Versäumen Sie sie nicht !

 

Robert Quitta, Baden

 

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